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Garp und wie er die Welt sah

Garp und wie er die Welt sah

Garp und wie er die Welt sah
John Irving
The World According to Garp
978-3-257-06815-3
Diogenes Verlag
21. Feburar 2012 (als HC bei Diogenes Verlag)
26,90 €
839 Seiten
Roman/Gegenwartsliteratur

Inhalt 
John Irving erzählt „Die Biografie“ von T.S. Garp.
Schon Garps Zeugung ist ein skurriler Akt. Jenny Fields, Garps Mutter und leidenschaftliche Krankenschwester, lernt Garps Vater während des Zweiten Weltkriegs auf der Intensivstation kennen, auf der sie arbeitet. Der ehemaliger Soldat ist körperlich und geistig total hinüber. Das Einziger, was er noch kann ist eine Erektion bekommen und seinen Nachnamen murmeln: „Garp“. Jenny ist klar: sie will keinen Mann, aber ein Kind. Sie kann mit Lust und Gefühlen beim Sex nichts anfangen und befruchtet sich quasi selbst durch T. S. Garps Erektion. Genau diesen Namen gibt sie dem daraus hervorgehenden Kind: einfach nur T. S. Garp. Aber was die Initialen „T“ und „S“ bedeuten, hat sie nie erfahren.
Garp und Jenny leben in Steering an einer Jungenschule. Jenny als Schulkrankenschwester und Garp in der Gemeinschaft der dort zur Schule gehenden Jungs. Als Garp selbst soweit ist  und zur Schule geht, beginnt er mit dem Ringen, der Sport, der ihn sein Leben lang fit halten und begleiten soll. Im Ringerraum der Schule lernt er nicht nur sein Vorbild Ernie Holm kennen, sondern auch dessen Tochter Helen. Helen lebt allein bei ihrem Vater und verbringt ihre freie Zeit lesend im Ringerraum. Garp liebt Helen und Helen lernt Garp zu lieben.
Garp beendet mit 16 seine schulische Laufbahn, auch Jenny findet, er habe genug gelernt. Er will Schriftsteller werden, damit Helen von ihm beeindruckt ist und ihn lieben kann. Er zieht mit seiner Mutter nach Wien, denn er möchte Europa kennen lernen. Dort schreibt er seine erste Kurzgeschichte: Die Pension Grillparzer“. Als er nach ein paar Jahren Wien wie seine Westentasche kennt, will er zurück nach Neuengland. Helen und Garp heiraten.
Sie ziehen in ein eigenes Haus und bekommen zwei Söhne. Garp schreibt in seinem Leben zweieinhalb Romane. Helen arbeitet an einer Uni und verdient das Geld für ihre Familie, Garp ist der Hausmann und kümmert sich um die Kinder. Er kocht leidenschaftlich gern. Die Ehe verläuft glücklich, nur unterbrochen von einem „Vierer“ mit einem befreundeten Ehepaar. Harrison Fletcher und und Helen habe eine Affäre und Garp mit Alice Fletcher. Alice liebt Garp leidenschaftlich, doch der liebt seine Familie und als die Fletchers wegziehen verläuft sich die Liaison im Sande. Garp hat verschieden Affären mit Babysitterinnen, Helen ist treu.
Bis sie in der Uni einen jungen Studenten trifft, der ihr besonders auffällt. Intellekt hat er wenig, aber sie begehrt ihn körperlich. Die Affäre führt zu einem schlimmen Unfall, bei dem Garps und Helens jüngster Sohn stirbt und die anderen drei Familienmitglieder schwere Verletzungen erleiden.
Zur Genesung ziehen die Garps zu Jenny Fields ans Meer, die mittlerweile eine feministische Berühmtheit geworden ist. Sie hat in Wien ihre Autobiographie geschrieben, die von den amerikanischen Feministinnen als ihr Manifest erkannt wird und sie erheben Jenny Fields zur Ikone der Frauenbewegung. Jenny selbst ist weniger am Feminismus interessiert, sondern an den Frauen, die vom Schicksal schwer getroffen worden sind. Sie will ihnen in ihrem Haus an der Küste Erholung bieten. In dieser Gesellschaft kommen sich Helen und Garp wieder näher und beschließen noch ein Kind zu bekommen. Bald darauf wird die kleine Jenny Garp geboren. Die Garps ziehen in das nahe gelegene Steering. mit Garps zweitem Roman Bensenhaver und wie er die Welt sah brachte er die gesamte amerikanische Frauenbewegung gegen sich auf, was aber das Verhältnis zu seiner Mutter keineswegs trübte.
Trotzdem wird der Roman ihm zum Verhängnis. Garp wird von einer Frau erschossen, die in einer Frauenbewegung Mitglied ist und auch eine alte Bekannte aus Kindertagen. Er stirbt im Ringerraum der Schule in Steering, wo er Trainer war, in den Armen der ersten und einzigen Frau, die er je geliebt hat: Helen.

Aufbau, Schreibstil, Perspektiven
Zum Aufbau gibt es nicht viel zu sagen: Die „Biografie“ beginnt mit der Zeit kurz vor Garps Geburt und endet mit „Dem Leben nach Garp“.
Die Erzählperspektive ist der auktoriale Erzähler, ein allwissender Erzähler, der Einblick in alle wichtigen Charaktere der Handlung hat.
John Irving hat einen wunderbaren Schreibstil. Er erzählt die Geschichte nachdenklich und tiefgehend und in einem sehr feinfühligen Stil. Seine Charaktere sind jeder für sich etwas ganz besonderes und können kein Klientel abdecken, das sie alle auf ihre eigene Art und Weise seltsam und grotesk sind. Bei diesem Schreibstil erkennt man sehr gut erzählerische Mittel und sprachliche Bilder.

Meine Meinung 
Irvings Roman ist literarisch eine tolle Sache. Sein Stil und seine Protagonisten sind einzigartig. Das Buch  ist originell und ich finde die Umschlaggestaltung vom Diogenes Verlag sehr passend.
Garp und seine Familie, sogar sein näheres Umfeld, seine Freunde sind auf gewisse Weise verrückt und skurril. Manchmal wirkt der Roman etwas chaotisch, obwohl er doch dem roten Faden von Garps Leben folgt. Das liegt sicher daran, dass zu jeder der vielen Personen noch eine eigene Geschichte erzählt wird.

Fazit 
Ein lesenswertes Buch, sehr originell, versetzt einen richtig in Garps Welt und man lernt sogar mit ihm zu erleben und zu fühlen. Es geschehen ab und zu verrückte Dinge, die aber die Handlung hübsch auffrischen, denn eine einfach Biographie wäre viiiiiiel zu langeweilig.

Autor 
John Irving, 1942 in Exeter, New Hampshire, geboren ist Autor von 12 Romanen und lebt heut im südlichen Vermont. Sie wurden alle Bestseller und in 35 Sprachen übersetzt, vier davon wurden sogar verfilmt. 2013 erhält er die weltweit wichtigsten Auszeichnung für seine Darstellung von sexueller Toleranz und Gleichbehandlung in seinem literarischen Werk.

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Als Gott ein Kaninchen war

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Allgemeines:

Titel: Als Gott ein Kaninchen war
Autor: Sarah Winman
Originaltitel: When God was a rabbit
ISBN: 978-3-8090-2612-9
Verlag: Limes
Erscheinungsdatum: 26. März 2012
Preis: 18,99€
Genre: Roman

Inhalt:

Elly und Joe wachsen in ihrer eigenen Welt auf; als Außenseiter werden sie zusammengeschweißt, das Band zwischen den Geschwistern ist untrennbar. Als ihre Eltern eine Frühstückspension in Cornwall eröffnen wollen, wird Ellys Welt zum ersten Mal aus den Fugen gerissen. Sie hält sich an ihrem Bruder fest, und an Gott, einem weißen Kaninchen. Sie muss ihre seltsame beste Freundin Jenny Penny zurücklassen, ohne zu wissen, ob sie sie jemals wiedersieht. Aber auch die Verbindung der beiden Mädchen bleibt über die Jahre bestehen, bis sie auf eigenartige Weise wieder zusammenfinden.
In Cornwall ist nur zu Beginn alles so schlimm, wie es den Anschein hatte. Elly und Joe werden wieder zu Außenseitern an der neuen Schule und Joe, mitten in der Pubertät, muss versuchen mit dem Anderssein und seiner Sexulaität umzugehen. Doch die Lebenslust kommt mit Arthur, der zum Dauergast der Frühstuückspension von Ellys und Joes Eltern wird. Mit ihm kommt seine Schwester Ginger, die vor allem für Joe zur bezugsperson wird: „Er war wie Ginger geworden. Man musste sein Tun interpretieren, denn es wurde selten von Worten begleitet, weil seine Welt eine stille Welt war; ein abgekoppelter, gebrochener Ort.“ Die Familie wird komplettiert mit Nancy, der berühmten, verrückten Tante von Elly, die heimlich in deren Mutter verliebt ist.
Doch dann geht Joe, beendet die Schule in London und zieht nach New York. Das enge Band der beiden bleibt, doch beginnt in Elly das Gefühl aufzusteigen, Joe immer mehr zu verlieren. Joe war immer da und hat sie beschützt, doch mit einem einschlägigen Ereignis ist es schließlich an Elly sich um Joe zu kümmern und ihn zu retten…

Aufbau, Schreibstil, Perspektiven

Der Roman ist in zwei Teile gegliedert, zuerst: Ellys Kindheit, sie erzählt ihre Geschichte und die Geschichten derer, die in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen. Der zweite Teil ist die Gegenwart, Ellys Erwachsenenleben. Sie ist 27.
Der Schreibstil ist anfangs wirklich gewöähnungsbedürftig, aber wenn man erstmal verstanden hat, was Elly für ein Kind ist und was sie prägt, ist der Stil passend zur Geschichte. Was ich etwas als störend empfand, waren die vielen Brüche im Text, wenn der Handlungsstrang abbrach und eine neue, andere Passage mit völlig neuem Inhalt kam. Im Nachhinein aber lobenswert, weil man auch wirklich anfängt über das vorher geschriebene nachzudenken.
In beiden Teilen des Romans ist Elly in der Gegenwart. Sie verändert ihre Denkweise als Frau wenig im Vergleich zum Grundschulkind. Sie ist nicht vernünftiger geworden, man hat im zweiten Teil des Romans das Gefühl, Elly ist in der Zeit stehengeblieben, was aber damit zu tun hat, dass sie ihren Bruder auf eine sehr weiter Entfernung losgelassen hat und auch nach dem Tod von Gott niemanden außer den alten Arthur hat, der sie versteht.

Meine Meinung
Elly ist ein komplizierter Charakter.
Das Buch hat tiefe Gefühle geregt, ich musste abwechselnd lachen und mir die Tränen verdrücken. Es lässt tief blicken in dem Umgang mit Katastrophen, mit Liebe, Gefühlen, Missgeschicken.
Nach der letzten Seite aber wird klar: es geht vor allem um die Liebe, die Liebe in all ihren Facetten und Farben.

Fazit
Ein gelungener Roman, vom Prolog bis zum letzten Satz. Unbedingt empfelehndswert, wenn man mal wieder etwas Tiefsinniges braucht. Elly ermöglicht einen neuen Blickwinkel auf die Welt.

Autorin
Sarah Winman ist in der Grafschaft Essex aufgewachsen und lebt heute in London. Hauptberuflich ist sie Schauspielerin. Nach ihrer Ausbildung trat sie vornehmlich im Theater auf, spielte jedoch auch in zahlreichen Filmen und Fernsehproduktionen mit. Als Gott ein Kaninchen war ist ihr erster Roman. (Quelle: http://www.randomhouse.de)

Leseprobe!