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Ostende – 1936, Sommer der Freundschaft

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Ostende- 1936, Sommer der Freundschaft
Volker Weidermann
Kiepenheuer & Witsch Verlag
978-3-462-04600-7
17,99€

Beim Aufräumen der Belletristikwand in meiner Ausbildungsbuchhandlung fiel mir Ostende schon häufig in die Hände. Es hat mich äußerlich sehr an Die Herrlichkeit des Lebens von Michael Kumpfmüller erinnert, ein Buch, dass ich sehr liebe.  Es geht darin um Franz Kafka in den letzten Jahren seines Lebens, seine Kurreisen an die Ostsee und seine letzte Liebe Dora Diamant.
Ostende ist der Rückblick auf den letzten großen Sommer, 1936, einer Gruppe von Schiftstellern, zu denen unter anderem Stefan Zweig und Joseph Roth zählen. Ostende war ein belgischer Badeort, an dem vor allem die Schreibenden zusammen kommen, die in Deutschland und Österreich aufgrund des nationalsozialistischen Regimes nicht mehr publizieren dürfen oder nur noch geduldet werden.
Auch im Jahr 1936 kommen sie wieder zusammen, es ist das erste Jahr, in dem auch Irmgard Keun in Ostende weilt. Sie und Joseph Roth verfallen einander sofort, sie verbindet ihre Arbeit und der Alkohol. Sie verbringen ihre Tage auf Roths Zimmer und schreiben und schreiben und trinken. Ab und an treffen sie sich mit den anderen in einem Bistro.
Joseph Roth kam dank Stefan Zweig nach Ostende, welchen er verehrte. Auch Zweig schätzte Roths Arbeit, war sich aber schon früh bewusst, dass er durch seine Trunksucht seine Arbeit und sich selbst zerstören wird. Trotzdem unterstützt Stefan Zweig, der ein gefeierter Schriftsteller ist, Joseph Roth lange Zeit finanziell.
Für alle drei ist es der letzte Sommer in Ostende. Alle drei werden ihre Heimat verlieren, sie leben schon jetzt im Exil. Sie wissen, oder ahnen zumindest, dass sie nie wieder in ihre Heimat zurückkehren werden.
Das Ende des Buches ist allen, die sich mit Exilliteratur und ihren Autoren beschäftigen, bekannt. Stefan Zweig und seine Geliebte gehen nach Brasilien, er kehrt nur noch einmal kurz nach Österreich zurück. Er stellt die Unterstützung für Roth ein. Dieser, ein zerstörter Mensch, verzweifelt daran, dass Irmagard Keun ihn verlässt und mit einem neuen Mann nach Südfrankreich geht. Er erliegt gewissermaßen seiner Sucht und seiner Armut. 1939 stirbt er in Paris.
Ostende gibt es nicht mehr.

Das Buch geht einem unwillkürlich ein bisschen unter die Haut, wenn man bedenkt, dass all diese klugen Köpfe (dazu gehört zum Beispiel auch Thomas Mann) aus Deutschland vertrieben werden, weil sie jüdischer Abstammung sind oder einfach nicht mit den Nazis arbeiten.
Volker Weidermann spiegelt mitreißen eine Zeit der Flucht, Verzweflung, Heimatlosigkeit und Freundschaft.

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Der Schatten des Himmels

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Der Schatten des Windes
Carlos Ruiz Zafon
S. Fischer Verlag
978-3-596-19615-9
9,99€

Daniel Sempere lebt im Barcelona der Nachkriegszeit. Seine Mutter starb als er klein war, jetzt gibt es nur noch ihn und seinen Vater – und die Buchhandlung, die beide betreiben. Er wächst auf, inmitten von Geschichten, Papier und Staub.
Als er zehn Jahre alt ist, wacht er eines morgens auf und kann sich nicht mehr an das Gesicht seiner Mutter erinnern. Er ist zutiefst erschüttert. Daraufhin geht nimmt ihn sein Vater mit zum Friedhof der vergessenen Bücher. Das ist ein Ort, an dem all die Bücher aufbewahrt werden, die von den Menschen übersehen und vergessen werden; von jedem ein Exemplar. Dort ist es Brauch, bei seinem ersten Besuch ein Buch für sich zu erwählen. Dieses wird einem dann gehören und begleiten. So stößt Daniel auf „Der Schatten des Windes“ von einem gewissen Julian Carax. Als er glücklich mit seinem Schatz nach Hause zurückkehrt, ahnt er noch nicht, dass das Buch sein Leben komplett auf den Kopf stellen wird.
Julian Carax ist nämlich verschwunden und es ist nahezu unmöglich an eines seiner weiteren Bücher zu gelangen. Als Daniel sich also auf die Suche nach seinem neuen Lieblingsautoren macht, wird ihm sehr bald klar, dass vor ihm ein großes Geheimnis liegt. Seltsamerweise beginnen sich zwischen seinem und Julians Leben immer Parallelen zu weben; er gerät in ein Labyrinth aus Geschichten und Lebensläufen, dass sich erst ganz am Ende lösen wird; genau dann, wenn es für Julian und Daniel fast zu spät ist.

Mein erster Gedanke, als ich das Buch zuklappte: Wow!
Ich kann mich an die Tage, an denen ich es las nur noch verschwommen erinnern, ich sehe nur die Geschichte vor mir, ganz deutlich. Wenn man einmal darin verloren ist, kommt man nicht wieder hinaus. Aber das ist nicht schlimm, es ist ganz wunderbar! Darum lesen wir Bücher, dass ist mir hier wieder klar geworden: um uns zu verlieren, die restliche Welt zu vergessen, uns einzuweben in ferne Orte und andere Leben.
Daniels und Julians Geschichte ist ein einziger Irrgarten, aber ein wunderschöner, verzauberter. Carlos Ruiz Zafon spielt mit ganz alten Motiven, zum Beispiel dem Romeo-und-Julia-Prinzip, Eifersucht unter besten Freunden, Rache an Widersachern. Man rutscht wie Daniel von einer Geschichte in die nächste, jede schöner, trauriger und unglaublicher, als die nächste.
Ich kann gar keine Worte finden um die Poesie dieses Romans zu beschreiben, ich bin einfach hin und weg. Es fällt mir schwer, so viele Worte für Begeisterung zu finden, deswegen lasse ich es lieber und gebe an euch nur weiter, dass dieses Buch es wirklich wert ist zu lesen!

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Ein Teelöffel Land und Meer

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Ein Teelöffel Land und Meer
Dina Nayeri
mare Verlag
978-3-86648-013-1
22,00€

Ende der 1970er Jahre beginnt die Islamische Revolution im iran. Für die elfjärige Saba und ihre Familie ist das ein einschneidendes Ereignis. Die wohlhabende, zum Christentum konvertierte Familie muss von Teheran in ein kleines Dorf ziehen um sich unsichtbar vor den neuen Machthabern zu machen. Kurz nach dem Umzug verschwinden in kurzem Abstand erst Sabas Zwillingsschwester Mahtab, dann ihre Mutter auf mysteriöse Weise.
Für Sabe ist eines klar in all dem Durcheinander: Mahtab und ihre Mutter sind nach Amerika gegangen. Die mutter der Zwillinge, Baharez, war darauf bedacht, ihre Mädchen so unkonventionell wie möglich großzuziehen. Sie war Aktivistin gegen die Revolution und wollte immer schon eines Tages aus dem Iran ausreisen. Saba und Mahtab lernen unermüdlich Englisch, hören westliche Musik und schauen amerikanische Serien auf Video. Das alles ist sehr wagemutig, vor allem unter der neuen Regierung, die sich gerade bemüht, alle westlichen Einflüsse aus dem land zu verbannen.
Saba ist über das Verschwinden ihrer Mutter und ihrer Schwester unendlich enttäuscht und traurig. Aber sie glaubt felsenfest daran, dass sie nach Amerika gegangen sind. Sie flüchtet sich in Geschichten über Mahtab; wie ihre Zwillingsschwester in Amerika lebt, nach Harvard geht und Jounalistin wird. Nur alle anderen im Dorf wollen ihre begreiflich machen, dass Mahtab und Baharez tot sind.
Doch auch Saba wird langsam erwachsen werden und muss sich immer drängenderen Fragen stellen: was ist Wahrheit und was Lüge? So viele Stimmen wollen ihr sagen, was Wirklichkeit ist. Darf sie um der Liebe Willen ihre Träume vergessen? Denn in ihrem tiefsten Inneren weiß sie, dass Mahtabs Geschichte ihre eigene sein soll. Sie will nach Amerika, Journalistin werden und über den Iran berichten. Wann muss Saba selbst Entscheidungen treffen? Ist es richtig, auf ihr Herz zu hören?

Dina Nayeris buch zeigt einem den Zauber des Geschichtenerzählens. Sie macht einem das Aufwachsen im Iran während der Revolution bildhaft deutlich. Außerdem ist es eine Geschichte über Freundschaft, Familie und Geschwister. Saba und Mahtab. Saba ohne Mahtab. Saba, die ein Bild von Mahtab erschafft, so, wie ihre eigenen tiefsten Wünsche sind.
Als Leser beobachtet man Saba, wie sie erwachsen wird und wie sie versucht, das Gewicht der Last des Geheimnisses um Baharez und Mahtab zu tragen. Ein Teelöffel Land und Meer ist ein von Bildern strahlendes Debüt, kraftvoll und berührend. Dina Nayeri schreibt mit so viel Gefühl über ein Land, dass einmal ihre Heimat war, von dem sie aber eigentlich keine Ahnung hatte. Dieses Buch weckt so viele Gefühle: Schmerz, Trauer, Liebe, Freiheitsdrang; am allermeisten aber Hoffnung. Es ist eine Hommage an die Hoffnung, die immer zum Schluss sterben sollte, besser noch, sollte sie alles überleben und die Träume wahrmachen, die einem in der Seele brennen.

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Die roten Orchideen von Shanghai – Das Schicksal der Sangmi Kim

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Die roten Orchideen von ShanghaiJuliette Morillot
Goldmann Verlag
3-442-30982-4

Die 1930er Jahre, Seoul, Korea. Das kleine Land leidet unter der japanischen Besatzungsmacht. Japan will zum Weltreich emporsteigen und dringt immer weiter Richtung Westen und Süden vor. Mittendrin: Kora unter japanischer Hand.
In Seoul lebt Sangmi als Kind einer wohlhabenden Familie, sie erhält Bildung und muss nicht hungern. Trotzdem: ihre Mutter entzieht ihr ihre Liebe und vor ihrem Vater fürchtet sie sich. Ihr einziger Halt sind die Eltern ihrer Mutter. Ihre Familie birgt ihr gegenüber ein dunkles Geheimnis.
Als Sangmi an einem Verbrechen beteiligt wird, schickt sie ihr Vater zu armen Verwandten in die Küstenstadt Mokp’o. Dort geht sie nicht mehr zur Schule, sondern kümmert sich um die Kinder der Familie. Sie befindet sich auf dem Weg zum Tempel, um dort nachzudenken und zur Ruhe zu kommen, als sie in die Fänge der japanischen Armee gelangt. Sie ist gerade 14 jahre alt und wird verschleppt. „Im Dienst der japanischen Armee“ soll sie nun arbeiten. Doch Sangmi hat keine Ahnung, was es mit dieser „Arbeit“ auf sich hat. Sie weißt nur: es gibt kein Entrinnen vor der neuen Pflicht. Sie muss einer nicht enden wollenden Reihe von japanischen Soldaten ihren Körper darbieten. Sie sieht viele ihrer neuen Gefährtinnen grausam sterben, ihr werden häufig gerade die genommen, die ihr am meisten Halt gaben. Aber Sangmi hat auch unheimlich viel Glück. Sie schafft es durch die Hilfe eines ehemaligen Englischlehrers aus Seoul (nicht ohne einen gewissen Preis dafür zu zahlen) in gewisser Weise aufzusteigen. Sie wird seine Mätresse und später auch Matrone eines Trosthauses.
Sangmi legt zwischen ihrem 15. und 20. Lebensjahr eine grausame, sehr weite Reise zurück, gefangen in der Tyrannei des aufstrebenden Königreiches. Von Seoul, Mokp’o über Shanghai, Singapur nach Hiroshima, wo für sie am 6. August 1945 die Freiheit beginnt; ein Tag, der Tausenden das Leben gekostet hat.

Juliette Morillots Roman Die roten Orchideen von Shanghai beruht auf einer wahren Geschichte. 1995 trifft die Autorin in Seoul auf eine alte Frau. Die berichtet ihr von einer finsteren, grausamen Vergangenheit und gibt all denen eine Stimme, die heute nicht mehr selbst davon erzählen können.
Dieses Buch ist die Geschichte einer starken und mutigen jungen Frau in einer Zeit, in der eine solche Kraft ift verlorengegangen ist. Nachdem ich die letzten Worte gelesen hatte, war ich schockiert und todtraurig. Diese Frauen waren noch Kinder, als sie unzählige Male vergewaltigt wurden. Sie sollten Männer Trost schenken, die zu Tieren gewordens sind, zu Stein erstarrtes Herz. Männer, die einem heute nur Leid zun können, so wie man Mitleid mit Sangmi bekommt. Nicht Mitgefühl, ich sträube mich sonst vor Mitleid. Aber Mitgefühl ist in diesem Fall wirklich unmöglich; man kann nicht mitfühlen, was Sangmi erleben musste. Aber mit jeder Seite dieses Buches wächst der schwere Klumpen im Herzen des Lesers. Und es hört einfach nicht auf, jahrelang, bis eine Atombombe allem ein Ende macht.
Ich
bin so tief getroffen, weil es wahr ist, was mit diesen jungen Mädchen geschah. Sicher, in dem Krieg sind auch viele andere Menschen unschuldig gestorben, aber diese Vergewaltigungen und Morde an Kindern so nah dargestellt zu bekommen zehrt ungemein an den Nerven.

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Die Verlobungen

Cover Die Verlobungen

J. Courtney Sullivan
Die Verlobungen
Deuticke Verlag
978-3-552-06244-3
21,90€

Frances ist jung, unverheiratet und erfolgreich – und das 1947, eine Zeit in der junge Frauen wie sie sich langsam aber sicher um einen Ehemann bemühen sollten. Aber Frances ist klar, sie ist einzig und allein mit ihrer Arbeit verheiratet und für sie steht fest, dass sich das auch niemals ändern wird. Ihr Job als Werbetexterin in der zur Zeit größten und erfolgreichsten Werbeagentur der USA ist alles für sie.
Das Paradoxon ihrer Arbeit: ihr Hauptkunde ist der weltweit größte Diamantenlieferant De Beers. Sie etabliert den diamantenen Verlobungsring unter den Frauen dieser Welt und entwirft den bekannten Slogan A Diamond is forever. Frances selbst möchte aber lieber nicht einen solchen Ring als Beweis wahrer Liebe am Finger tragen. Ihre Beziehungen zu Männern waren nie von langer Dauer.
Mary Frances Gerety heiratete nie, aber weckte in der ganzen Welt den Wunsch nach dem einzigartigen Liebesbeweis: den diamentenen Verlobungsring.

Die Verlobungen ist ein Roman über Liebe, Ehe und Partnerschaft im Verlauf des letzten jahrhunderts. J. Courtney Sullivan nimmt ihre Leser mit auf eine Reise durch die Geschichte der Entwicklungen der Beziehung zwischen Mann und Frau. Dabei lässt sie nichts aus, von Herzbrechen bis großer Liebe und fulminanter Hochzeit.
Mary Frances Gerety hat wirklich gelebt. Mit ihr ist das Bedürfnis fast jeder Frau nach dem Diamantring aus der Hand ihres Geliebten gewachsen. Im Laufe der Zeit ist er zur Tradition geworden, zum festen Bestandteil einer festen, ehrbaren Liebe.  Sullivan erzählt von ganz unterschiedlichen Partnerschaften zwischen 1947 und 2012. Da ist natürlich Frances, die ganz und gar nicht heiraten will; dann gibt es Evelyn, für die es 1972 die größte Schande für ihre Familie ist, als sich ihr Sohn scheiden lassen will und dann gibt es da noch Kate, die sich 2012 mit ihren Freund Dan und ihrer beider Tochter Ava auf die Hochzeit ihres Cousins Jeff vorbereitet – mit einem Mann. Es gibt noch weitere Paare, die in noch anderen Zeiten des Jahrhunderts leben, aber alle verbindet eines: ein Diamantring für Damen: zwei große Diamanten im gleichen Schliff und von gleicher Größe. Zusätzlich einige kleine Steine drum herum. Wie eine Blüte. Damit wären wir wieder bei Frances, die all die Sehnsüchte der Frauen geweckt hatte und somit eine Tradiotion begründet hat, die es heute noch weltweit gibt.

J. Courtney Sullivan schreibt mit viel Präzision und Liebe zum Detail. Es gelingt ihr fabelhaft, so viele verschiedene Varianten von Partnerschaften darzustellen. Die Verlobungen fundiert auf einer wahren Geschichte, von Sullivan weiterentwickelt zu einem Roman, der die persönliche Meinung des Lesers herausfordert. Sie regt zu Überlegungen an, über die man nicht nachdenkt, weil man immer den Weg entlang geht, wie er immer war. Aber sie versucht keinesfalls, von etwas zu überzeugen.
Es ist ein Buch für alle Frauen von zwanzig bis einhundert jahren, die von der Traumhochzeit schwelgen oder schon viele Jahre Ehe hinter sich haben; für Frauen, die sich auf alte Traditionen berufen oder auch für neue Denkweisen offen sind. Jede Leserin wird ihre Lieblingsperson in diesem Roman finden und sie zu ihrem persönlichen Protagnisten erheben, denn diese Wahl hat Sullivan gekonnt ihrem Publikum überlassen.
Sprachlich hat das Buch viel Witz und Leichtigkeit. Es gibt aber auch schwere Brocken, die man erst einmal verdauen muss. Als Leser fiebert man mit jedem Paar und jeder Geschichte mit.
Ein wahres Leseerlebenis.

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Wir in drei Worten

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Wir in drei Worten
Mhairi McFarlane
Knaur Taschenbuch
978-3-426-51453-5
9,99€

„Ich liebe dich.“, sagte ich.
„Wirklich?“
„Absolut.“
„Mein Gott, ich fasse es nicht.“

Ben und Rachel. Zu Unizeiten gab es sie nur im Doppelpack. Sie haben zusammen ihren eigenen kleinen Kosmos gehabt, in den niemand von außen eindringen konnte. Niemals hätte Rachel geacht, dass sich das irgendwann einmal ändern würde.
Doch in der Nacht vor ihrem Abschlussball geschieht etwas, was beide ziemlich überrascht und sie dermaßen überrollt, dass es zu Missverständnissen und Peinlichkeiten kommt, die Rachel und Ben auseinanderbringen.
Denn genau dieses Geheimnis ihrer letzten Nacht an der Uni sorgt dafür, dass sie sich aus den Augen verlieren.

Zehn Jahre später –
Rachel hat nach 13 Jahren Beziehung ihre Verlobung mit Rhys platzen lassen. Sie wohnt als Untermieterin bei einer Bekannten ihrer Freundin und arbeitet seit ihrem Abschluss an der Jounalistenschule als Gerichtsreporterin in Manchester.
Ben ist verheiratet und auf dem besten Weg ein richtiger Anwalt zu werden. Er hat mit seiner Frau ein Haus in Manchaster gekauft unf nun versuchen sie in der Stadt anzuknüpfen, wobei ihnen Simon, bens Vorgesetzter helfen soll.
Nicht ganz zufällig treffen Rachel und Ben sich wieder. Zum Verdruss von Bens Frau Olivia und Simon, der sich insgeheim zu Rachel hingezogen fühlt, stellt sich zwischen den beiden schnell wieder das Gefühl alter Vertrautheit ein. Auch für Rachel bedeutet das neues Gefühlschaos, gerade nach der Trannung von Rhys. Doch sie hat Ben nie ganz vergessen können, nachdem, was an der Uni passiert ist und wie es zwischen ihnen auseinander gegangen ist. Dass Ben und sie sich jetzt öfter sehen, verstärkt Rachels Gefühle, die sie während ihrer letzten Beziehung immer im Hinterkopf verschlossen hat.
Auch Ben werden seine unterdrückten Gefühle wieder bewusst, aber er ist nicht gewillt, sein Leben und seine Ehe aufs Spiel zu setzen, für etwas, was schon vor zehn Jahren für ihn unerreichbar war.
Ben und Rachel sehen sich immer öfter, bis Ben zurück nach London muss, Olivia hinterher um seine Beziehung zu retten…

Mhairi McFarlane hat eine wundervolle Art so eine Liebesgeschichte zu schreiben. Mit so viel Homur, aber auch Aufregung rechnet man in Frauenromanen selten.
Durch Rachel hat sie eine Protagonistin erschaffen, die zwar etwas naiv ist, aber deren Gefühle so stark und die die Welt mit so viel Witz ansieht, dass sie einzigartig ist. Man kann gar nicht anders, als sich in sie zu verlieben!
Rachel erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht. Die Dialoge, vor allem mit ihr als Gesprächspartnerin sind witzig und einfallsreich.
Zwischen Rachel und Ben besteht ein Band, dass auch nach zehn Jahren noch so stark ist, dass sie sich sofort wieder blind verstehen. Das merkt man als Leser sogleich.
Der Aufbau des Buches ist auch sehr gut durchdacht. Es gibt einen Prolog, in dem Rachel und Ben als Studenten vorgestellt werden. Dann folgen in unregelmäßigen Abständen Kapitel aus der Gegenwart und aus der Vergangenheit, die aber keine Verwirrung zulassen. Stück für Stück kommt der Leser dem Geheimnis näher, bis er es wirklich unbedingt wissen will. Und die Szene, die diese verhängnisvolle Nacht beschreibt, kommt auf keinen Fall zu früh oder zu spät!
Das Buch ist so erfrischend und kurzweilig, aber auch aufregend und mitreißend. Obwohl ich vorher einige Bedenken hatte, betreffs des Titels mit dem es so oft verglichen wird („Zwei an einem Tag“), muss ich sagen, es ähnelt sich wenn überhaupt nur in der Grundthematik (Freundschaft zur Studienzeit…). „Wir in drei Worten“ ist ein wunderbar leichtes Buch. Da es McFarlanes Debüt ist, hoffe ich, dass es bald noch mehr Lesestoff von ihr gibt, bei dem man so schön mitfühlen kann!

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Quasikristalle

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Quasikristalle
Eva Menasse
Kiepenheuer & Witsch Verlag
978-3-462-04513-0
19,99€

„Sie war ihm vor die Füße gefallen wie Planetenstaub, und schon war sie ihm lieb und nah, ohne dass er das Ende dieses Zusammenseins gefürchtet hätte. Das beste Leben ist das gegenwärtige; aber meistens kommt einem die Gegenwart blass vor, sodass man fruchtlos und ermüdend an der Vergangenheit und Zukunft herumzupft. Wenn die Gegenwart jedoch aufglüht, dann sollte man sich ihr überlassen.“

Quasikristalle ist die Lebensgeschichte von Roxane Molin. Die Biografie der aus Wien stammenden Protagonistin entsteh aus dreizehn voneinander unabhängigen Kapiteln. Xane wird in fast jeder ihrer Lebensphasen dargestellt – aber sie selbst kommt nur einmal asu eigener Perspektive an die Reihe. Ich Geschichte erzählen andere: ihre beste Schulfreundin, ein ehemaliger Vermieter, ihre Ärztin, ihr Liebhaber.
In den wenigsten Kapiteln spielt Roxane eine direkte Hauptrolle. Die jeweiligen Erzähler berichten auch über sie, aber meistens geht es um ihre eigenen Leben und Roxane ist oft nur eine Randfigur. Die unterschiedlichen Perspektiven sind eine interessante Form eine Geschichte zu erzählen; denn das passiert trotz all den voneinander losgelösten Erzählungen: eine Geschichte, eine Biografie entsteht.

Wenn man am Ende das Buch zuschlägt, bleibt eine große Frage: Wer war Roxane Molin? Daraus ergeben sich wie von selbst weitere: Was weiß ich wirklich von mir selbst? Was weiß ich von anderen? Was ist die Wahrheit? Mir ist nach der Lektüre immer wieder ein Bild aus dem Physikunterricht in den Kopf gekommen. Es ist mit dem Buch ein bisschen wie mit dem Raum-Zeit-Kontinuum. An sich habe ich das ganze aus physikalischer Sicht nie so richtig verstanden, aber ich hae mich schon im Unterricht immer gefragt, welche der Perspektiven die wirklich wahre ist.
Anfangs war ich, ehrlich gesagt, sehr verwirrt, weil ich nach dem ersten Kapitel, erzählt von Xanes bester Schulfreundin Judith, nicht verstanden habe, warum es nicht weiter um Judoth geht. Das zweite Kapitel beginnt aus der Sicht eines jungen Professors, der in Auschwitz Führungen durch das ehemalige konzentrationslager macht. Er berichtet über seine Beziehungprobleme. Als nach zwei Seiten immer noch keine Judith aufgetaucht ist, habe ich schon mit dem Gedanken gespielt, das Buch abzubrechen.
Zum Glück habe ich es nicht gemacht! Denn plötzlich ist den Konzentrtionslager-Professor in seiner neuen Touristengruppe Xane über den Weg gelaufen und ich habe verstanden, dass es Xanes Geschichte ist, nicht Judiths.

Ich habe nach Ende des Buches wirklich viel darüber nachgedacht, wer ich bin, was ich bin und vor allem, wer ich für andere bin, wie die engsten meiner Bekannten und Verwandten mich sehen und was ich von ihnen sehe.
Fazit: Ein sehr anregendes Buch und interessant, vor allem durch die verschiedenen Perspektiven. Es ist Eva Menasse ziemlich gut gelungen, den Leser nach Zweifeln dennoch in den bann zu ziehen und zum Nachdenken anzuregen.