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Lesefrüchtchen #10

Du bist so vertieft darin, du zu sein, dass du keine Ahnung hast, wie absolut nie dagewesen du bist.

Hat das flüchtige Aufflackern von Bedeutung, das die Kunst beschert, in Anbetracht der Nichtigkeit unseres täglichen Kampfes überhaupt einen Wert?

Aus Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green

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Der Schatten des Himmels

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Der Schatten des Windes
Carlos Ruiz Zafon
S. Fischer Verlag
978-3-596-19615-9
9,99€

Daniel Sempere lebt im Barcelona der Nachkriegszeit. Seine Mutter starb als er klein war, jetzt gibt es nur noch ihn und seinen Vater – und die Buchhandlung, die beide betreiben. Er wächst auf, inmitten von Geschichten, Papier und Staub.
Als er zehn Jahre alt ist, wacht er eines morgens auf und kann sich nicht mehr an das Gesicht seiner Mutter erinnern. Er ist zutiefst erschüttert. Daraufhin geht nimmt ihn sein Vater mit zum Friedhof der vergessenen Bücher. Das ist ein Ort, an dem all die Bücher aufbewahrt werden, die von den Menschen übersehen und vergessen werden; von jedem ein Exemplar. Dort ist es Brauch, bei seinem ersten Besuch ein Buch für sich zu erwählen. Dieses wird einem dann gehören und begleiten. So stößt Daniel auf „Der Schatten des Windes“ von einem gewissen Julian Carax. Als er glücklich mit seinem Schatz nach Hause zurückkehrt, ahnt er noch nicht, dass das Buch sein Leben komplett auf den Kopf stellen wird.
Julian Carax ist nämlich verschwunden und es ist nahezu unmöglich an eines seiner weiteren Bücher zu gelangen. Als Daniel sich also auf die Suche nach seinem neuen Lieblingsautoren macht, wird ihm sehr bald klar, dass vor ihm ein großes Geheimnis liegt. Seltsamerweise beginnen sich zwischen seinem und Julians Leben immer Parallelen zu weben; er gerät in ein Labyrinth aus Geschichten und Lebensläufen, dass sich erst ganz am Ende lösen wird; genau dann, wenn es für Julian und Daniel fast zu spät ist.

Mein erster Gedanke, als ich das Buch zuklappte: Wow!
Ich kann mich an die Tage, an denen ich es las nur noch verschwommen erinnern, ich sehe nur die Geschichte vor mir, ganz deutlich. Wenn man einmal darin verloren ist, kommt man nicht wieder hinaus. Aber das ist nicht schlimm, es ist ganz wunderbar! Darum lesen wir Bücher, dass ist mir hier wieder klar geworden: um uns zu verlieren, die restliche Welt zu vergessen, uns einzuweben in ferne Orte und andere Leben.
Daniels und Julians Geschichte ist ein einziger Irrgarten, aber ein wunderschöner, verzauberter. Carlos Ruiz Zafon spielt mit ganz alten Motiven, zum Beispiel dem Romeo-und-Julia-Prinzip, Eifersucht unter besten Freunden, Rache an Widersachern. Man rutscht wie Daniel von einer Geschichte in die nächste, jede schöner, trauriger und unglaublicher, als die nächste.
Ich kann gar keine Worte finden um die Poesie dieses Romans zu beschreiben, ich bin einfach hin und weg. Es fällt mir schwer, so viele Worte für Begeisterung zu finden, deswegen lasse ich es lieber und gebe an euch nur weiter, dass dieses Buch es wirklich wert ist zu lesen!

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Ein Teelöffel Land und Meer

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Ein Teelöffel Land und Meer
Dina Nayeri
mare Verlag
978-3-86648-013-1
22,00€

Ende der 1970er Jahre beginnt die Islamische Revolution im iran. Für die elfjärige Saba und ihre Familie ist das ein einschneidendes Ereignis. Die wohlhabende, zum Christentum konvertierte Familie muss von Teheran in ein kleines Dorf ziehen um sich unsichtbar vor den neuen Machthabern zu machen. Kurz nach dem Umzug verschwinden in kurzem Abstand erst Sabas Zwillingsschwester Mahtab, dann ihre Mutter auf mysteriöse Weise.
Für Sabe ist eines klar in all dem Durcheinander: Mahtab und ihre Mutter sind nach Amerika gegangen. Die mutter der Zwillinge, Baharez, war darauf bedacht, ihre Mädchen so unkonventionell wie möglich großzuziehen. Sie war Aktivistin gegen die Revolution und wollte immer schon eines Tages aus dem Iran ausreisen. Saba und Mahtab lernen unermüdlich Englisch, hören westliche Musik und schauen amerikanische Serien auf Video. Das alles ist sehr wagemutig, vor allem unter der neuen Regierung, die sich gerade bemüht, alle westlichen Einflüsse aus dem land zu verbannen.
Saba ist über das Verschwinden ihrer Mutter und ihrer Schwester unendlich enttäuscht und traurig. Aber sie glaubt felsenfest daran, dass sie nach Amerika gegangen sind. Sie flüchtet sich in Geschichten über Mahtab; wie ihre Zwillingsschwester in Amerika lebt, nach Harvard geht und Jounalistin wird. Nur alle anderen im Dorf wollen ihre begreiflich machen, dass Mahtab und Baharez tot sind.
Doch auch Saba wird langsam erwachsen werden und muss sich immer drängenderen Fragen stellen: was ist Wahrheit und was Lüge? So viele Stimmen wollen ihr sagen, was Wirklichkeit ist. Darf sie um der Liebe Willen ihre Träume vergessen? Denn in ihrem tiefsten Inneren weiß sie, dass Mahtabs Geschichte ihre eigene sein soll. Sie will nach Amerika, Journalistin werden und über den Iran berichten. Wann muss Saba selbst Entscheidungen treffen? Ist es richtig, auf ihr Herz zu hören?

Dina Nayeris buch zeigt einem den Zauber des Geschichtenerzählens. Sie macht einem das Aufwachsen im Iran während der Revolution bildhaft deutlich. Außerdem ist es eine Geschichte über Freundschaft, Familie und Geschwister. Saba und Mahtab. Saba ohne Mahtab. Saba, die ein Bild von Mahtab erschafft, so, wie ihre eigenen tiefsten Wünsche sind.
Als Leser beobachtet man Saba, wie sie erwachsen wird und wie sie versucht, das Gewicht der Last des Geheimnisses um Baharez und Mahtab zu tragen. Ein Teelöffel Land und Meer ist ein von Bildern strahlendes Debüt, kraftvoll und berührend. Dina Nayeri schreibt mit so viel Gefühl über ein Land, dass einmal ihre Heimat war, von dem sie aber eigentlich keine Ahnung hatte. Dieses Buch weckt so viele Gefühle: Schmerz, Trauer, Liebe, Freiheitsdrang; am allermeisten aber Hoffnung. Es ist eine Hommage an die Hoffnung, die immer zum Schluss sterben sollte, besser noch, sollte sie alles überleben und die Träume wahrmachen, die einem in der Seele brennen.

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Das also ist mein Leben

Das also ist mein Leben von Stephen Chbosky

Das also ist mein Leben
Stephen Chbosky
978-3-453-26751-0
Heyne Verlag
12,99€

„Wir nehmen die Liebe an, von der wir glauben, dass wir sie verdienen, Charlie.“

Am Tag vor seinem ersten Tag in der Highschool beginnt Charlie Briefe zu schreiben. Wer der Empfänger ist, weiß niemand. Aber schon nach dem ersten oder zweiten Brief weiß man, warum er schreibt. Er wird in der neuen Schule von der vollen Ladung Leben erwischt.
Charlie ist ein bisschen anders, als die jungen Menschen um ihn herum. Er beobachtet viel und merkt sich alles, winzige Kleinigkeiten, die niemandem auffallen würden, würde Charlie nicht darüber schreiben.
Bevor er auf die Highschool kam hatte er nur einen Freund, Michael, der sich aber im Sommer umbringt.
Charlie ist also allein.
Aber es gibt da seinen neuen Englischlehrer, zu dem er außerhalb des Unterrichts Bill sagen darf und der in ihm sein Talent, Texte zu schreiben und seine enorme Auffassungsgabe erkennt. Bill versorgt Charlie mit seinen Lieblingsbüchern, wozu Charlie Aufsätze schreiben soll. Es entsteht eine enge Bindung zwischen beiden, ein bisschen wie Freundschaft.
Und dann gibt es da noch Patrick und Sam. Sie sind Geschwister, in der Abschlussklasse und werden Charlies beste Freund. Charlie bewundert Patrick und empfindet für Sam sehr viele große Gefühle.
Patrick und Sam bringen Charlie bei, „teilzunehmen“ und nicht nur zu beobachten. In diesem Highschooljahr beschäftigen Charlie alle Facetten des Lebens: Mädchen, Partys, Enttäuschungen, und er versucht irgendwo mittendrin seinen Platz zu finden.
In Charlies ganzem Denken und Fühlen liegen tiefe Traurigkeit und Schwere, aber auch unendliche Grenzenlosigkeit. Manchmal möchte man ihn an den Schultern packen und schütteln und sagen „hör auf zuzusehen, TU etwas“.
Charlie ist wundervoll.

Stephen Chbosky hat mich mit seinem Briefroman sehr berührt. Ich habe all die Figuren lieben gelernt; Sam, Patrick, Bill und vor allem Charlie. Er ist mir sehr ans Herz gewachsen. Ich habe das Gefühl, ich war dabei und habe mit Charlie das Leben entdeckt und die Freundschaft und die Liebe und das Gefühl grenzenlos zu sein, unwissend und genau so naiv wie er.
Anfang dachte ich auch, für einen fast sechzehnjährigen schreibt Charlie ganz schön kindische Briefe. Aber er schreibt nicht kindisch, das habe ich spätestens erkannt, als Patrick und Sam dazukommen. Er schriebt einfach genau das, was er fühlt, was er denkt, wie ihn das Leben beschäftigt. Und vielleicht, nur ganz nebenbei, ist genau das das Geheimnis des Schreibens.
Charlie birgt auch noch ein Geheimnis. Es ist seine zurückgezogene, passive Art, die einen manchmal wirklich stutzen lässt. Aber sein ganzes Sein, diese ab uns zu befremdliche Art liegt in einer Erinnerung begraben, die aus frühster Kindheit stammt und ihm einfach lange Zeit nicht bewusst ist.

Das also ist mein Leben ist ein so wunderschönes Buch, es berührt und lässt den Leser mitleben, Charlie wird irgendwann ein Teil vom Leser. Dieses Buch schreibt das Gefühl von himmelhochjauchzend und zutodebetrübt neu, es ist grenzenlos, aber auch unendlich traurig.

Eines der besten Bücher, welches ich bis jetzt gelesen hab!

Es gibt auch schon einen Film dazu.

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Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

9783492963671

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert
Joel Dicker
Piper Verlag
978-3-492-05600-7
22,99€ (HC)

„Das letzte Kapitel eines Buches, Marcus, muss immer das Schönste sein.“

2008. Die Kleinstadt Aurora an der Ostküste der USA hält den Atem an. Im Garten des zurückgezogen lebenden Schriftstellers Harry Quebert wird die seit dreiunddreißig Jahren vermisste 15jährige Nola Kellergan aufgefunden – tot. Und sofort steht natürlich Harry unter Mordverdacht.
Was ist damals vor so vielen Jahren passiert?
Marcus Goldman macht sich auf die Suche nach Harrys Geschichte. Denn Harry hat dem jungen Schriftsteller alles über das Schreiben beigebracht, er war sein Mentor. Marcus und Harry stehen sich sehr nahe, für Marcus ist der Schriftsteller der einzige Freund, der ihm wirklich etwas bedeutet. Das wird ihm vor allem bewusst, als er nach dem grandiosen Erfolg seines ersten Buches in einer Schreibblockade landet. Er hat Harry in der Zeit seines größten Ruhmes sträflich vernachlässigt. Als Marcus dann noch von dem Leichenfund in Harrys Garten hört, macht er sich sofort auf den Weg nach Aurora.
Was er dort ent- und aufdeckt ist im ersten Moment so unglaublich, wie aufwühlend. Harry der zu Zeit von Noals Verschwinden Anfang Dreißig war, hatte eine Liebesbeziehung zu der 15jährigen. Als das an die Öffentlichkeit gelangt, ist es in Aurora mit dem Ansehen des Schriftstellers dahin, der Verdacht gegen ihn verhärtet sich.
Auch Marcus ist erst skeptisch gegenüber dieser Geschichte.  Nach vielen Gesprächen mit Harry kommt er schließlich zu den Schluss, dass es wirklich eine wahre unerschüttleriche aber verbotene Liebe zwischen den beiden gegeben haben muss. Harry und Nola wollten sogar zusammen durchbrennen um irgendwo mit ihrer Liebe leben zu können.
Am Abend des 30. August 1975 waren sie in einem Motel verabredet um zu verschwinden. Doch Nola tauch nicht auf. Der nächste Morgen bringt dann Ernüchterung, nola hat ihn nicht versetzt, sie ist Verschwunden. Er kann nicht glauben, dass sie einfach von ihm gegangen ist, er kann sich nicht erklären, was mit Nola passiert ist. Er beschließt auf sie zu warten.
Nur was ist an diesem 30. August wirklich geschehen? Marcus Goldman will Harrys Unschuld unbedingt beweisen und beginnt in der Vergangenheit zu stöbern. Nicht alles, was er erfährt und ans Tageslicht befördert, macht ihn in der kleinen Stadt zu einem beliebten Gast. Ihm werden immer wieder Steine in den Weg gelegt. Seine Ermittlungen gehen in alle denkbaren Richtungen, Marcus lässt (fast) keinen Gedankengang unbedacht. Wer aber will verhindern, dass er etwas über Nolas Verschwinden in Erfahrung bringt?
Marcus schafft es schließlich alle Hindernisse zu überwinden, dank Harry und seinem Glauben an ihn und beider Leidenschaft für das Boxen.
Die Wahrheit über Harry, Nola und die Bewohner Auroras ist überraschend und erschreckend zugleich und ganz anders, als man es vielleicht versucht, anzunehmen. Und auch Harry birgt noch ein tiefes fast unverzeihliches Geheimnis.

Joel Dicker hat einen Roman geschrieben, der einen an das Unmögliche glauben lässt. Es ist eine Komposition, eine Dichtung über das Schreiben, über Wahrheit, ein Kriminalroman und eine Geschichte über die Liebe und den unglaublichen Mut und Zusammenhalt zweier Männer.
Der Autor hat eine so dichte Geschichte komponiert, dass man abwchselnd meint, mit drin zu stecken oder dass die ganze Handlung wirklich geschehen ist.
Trotz der großen Seitenzahl (unglaublichen 719!!!) möchte man das Buch einfach nicht weglegen, man fiebert jedem Kaiptel entgegen.
Die unglaubliche Masse an Charakteren wirkt keinesfalls verwirrend. Jede der Figuren ist ganz klar personalisiert und hebt sich unverwechselbar von den anderen ab. Ich finde es toll, wie ähnlich Harry und Marcus sich sind und doch jeder sein ganz eigener Mensch ist, niemals ein Abklatsch des anderen. Auch Nola ist eine so vielschichtige Person, die sich nur schwer in Worte fassen lässt, wenn man das Geheimnis um sie noch ein bisschen wahren möchte.
Die Geheimnisse, die Marcus währen seiner Recherche zutage fördert, sind auf jeden Fall total überraschend – man muss ab und zu tief Luft holen, um alles zu verarbeiten –  aber niemals unglaubwürdig.
Auch sprachlich ist das Buch eine Wucht! Eine einfache und klare Sprache und doch so poetisch. Joel Dicker hat seine 31 Kapitel abwärts nummeriert, von der Unkenntnis zu Wahrheit. Zu Beginn eines Kapitel steht immer ein kurzer Abriss aus Marcus Lernphase bei Harry als Schriftsteller. Unter diesem Abriss ergibt sich dann auch thematisch das Kapitel. Die Handlung wird größtenteils von Marcus und Harry erzählt, aber auch viele der anderen Personen kommen ab und an zu Wort; eine Geschichte aus vielen Perspektiven.
Die Erzählung springt in keinerlei Ordnung durch die verschiedenen Zeiten in der die Geschichte spielt. Aber vor allem durch Marcus schafft es Joel Dicker, den Leser direkt an den Gefühlen des Protagonisten teilhaben zu lassen.

Ich habe selben bei einem Buch so viel mitgelitten, gehofft, geliebt, verstanden, wie bei diesem Roman. Und ich muss sagen, es steht ja mittlerweile wirklich viel Mist auf den Bestsellerlisten, aber dieses Buch hat seinen Platz und den Hype drumherum wirklich verdient. Es ist nicht an einem Moment langweilig, man sehnt die Aufklärung mit Spannung und Neugier herbei, ebenso, wie man will, dass es nie endet.
Der Glauben an die Liebe und an das Gute im Menschen wird geheilt und zerstört während der Lektüre, aber sie weckt die Lust darauf, seinen Weg so zu gehen, wie man das selber will, ohne Diskussion und reinreden – und die Lust auf’s Leben.

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Und wenn es die Chance deines Lebens ist?

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Und wenn es die Chance deines Lebens ist?Caroline Vermalle
Lübbe Verlag
978-3-431-03884-2
12,00€

Frédéric hat alles, was er braucht zum Leben. Einen gut bezahlten Job, eine tolle Wohnung im Herzen von Paris und er ist Kunstsammler. Nur auf eine Familie hat er verzichtet. Vor langer Zeit hat er den Entschluss gefasst, niemals eine Familie zu gründen.
Als Frédéric sieben Jahre alt war ist sein Vater kurz vor Weihnachten gegangen und nie wieder nach Hause gekommen. Seine Mutter hat ihm erzählt, das er wegen einer ganz schlimmen Sache ins Gefängnis musste. Alles was Frédéric geblieben ist, sind seine guten Erinnerungen und die Liebe zur Kunst. Sein Vater hat Kalender entworfen, die mit Bildern berühmter Künstler, vor allem Impressionisten hat er am meisten gemocht. Als Frédéric älter wurde hat er die Versuche seines Vater, Kontakt zu ihm aufnehmen abgeblockt. Welches Verbrechen sein Vater auch begangen haben mochte, Frédéric wollte seine Kindheitserinnerungen mit nichts trüben. Er verzichtet gern auf die Schmerzen, die Nähe und Zuneigung zufügen können.

Er lebt sein Leben, ganz so, wie er es sich vorgenommen hat. Er ist ein erfolgreicher Scheidungsanwalt in der High Society und hat sich auch von seiner Verantwortung und von der Nähe zu seiner Freundin Marcia gelöst, indem er sie verlassen hat, weil sie eine Familie gründen wollte und schwanger geworden ist.
Aber hinter seiner zufrieden Fassade liegen auf dem Telefontisch in seiner Wohnung Mahnungen und unbezahlte Rechnungen auf einen großen Stapel.
Eine überraschende Erbschaft macht Frédérics mehr oder weniger gut sortiertes Leben zum Hürdenlauf. Er hofft natürlich auf Geld, damit er seine Schulden abbauen kann, vor allem die, die vor kurzem durch den Erwerb eines teuren Sisley entstanden sind. Doch alles, was der Notar ihm bieten kann ist ein Kistchen mit einer Zugfahrkarte, einer Bootsfahrkarte, einer Eintrittskarte für das Wohnhaus dem Impressionisten Claude Monet und eine Eintrittskarte für das Musée d’Orsay. Und eine gezeichnete Schatzkarte.
Der enttäuschte und wütende Frédéric kehrt nach Hause zurück, wo so langsam sein Leben wie ein Kartenhaus zusammenfällt. Das einzige, was ein bisschen Hoffnung bringt ist die Suche nach Fabrice Nile, der ihm das Kästchen mit den Karten vermacht hat. Er beauftragt seine persönliche Assistentin Pétronille sich auf die Suche nach Informationen über Monsiuer Nile zu machen. Er nennt ihr auch den Namen seines Vaters, das er glaubt, es besteht eine Verbindung zwischen den beiden.

So machen sich Pétronille – mit Hilfe der ihr genannten Namen- und Frédéric -mit Hilfe der Schatz- und Eintrittskarten- auf die Suche.
Was sie finden ist eine bewegende Geschichte aus Frédérics Vergangenheit. Dabei begegnet Pétronille der Liebe en „coup de foudre“ und Frédéric erkennt so langsam, wofür es sich zu Leben lohnt.
Beide machen die Entdeckung wahrer Freundschaft, Zusammenhalt, einer unerlaubten versteckten Liebe und eines Missverständnisses, dass man hätte beheben können.
Frédéric findet seinen Vater, dass ist dem Leser fast von der ersten Seite an klar. Er ist todkrank, liegt im Sterben. Für Frédéric und seinen Vater hält das Leben keine Chance mehr in der Hinterhand, aber Frédéric weiß, dass es noch eine Beziehung gibt die er retten kann. Der seiden Faden der Chance des Lebens. Wie oft hat man schon die Möglichkeit, diesen zu ergreifen.

Ich habe schon die beiden vorhergehenden Romane von Caroline Vermalle gelsen und muss sagene, beide waren im wahrsten Sinne des Wortes bezaubernd.
Und wenn es die Chance deine Lebens ist steht diesen beiden in keinem Punkt nach. Ganz anders, dieses Buch hat mich so richtig berührt. Ich habe es an einem Tag verschlungen und habe große Lust, es schon wieder zu lesen. Es ist ein kluger, berührender aber auch amüsierender Roman. Es ist fantastisch, wie jeder Pinselstrich eines Original-Monets.
Frédéric und Pétronille sind zwei Menschen, ihr Leben lang auf der Suche nach dem Glück. Durch Zufall kommen sie zusammen und machen die Entdeckung ihrer wahren innersten Gefühle.
Im Laufe der Geschichte brechen ihre Herzen auf.
Ein Buch das glücklich macht.

Noch drei Worte: Je suis heureux!

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Claude Monet – Die Elster