Die roten Orchideen von Shanghai – Das Schicksal der Sangmi Kim

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Die roten Orchideen von ShanghaiJuliette Morillot
Goldmann Verlag
3-442-30982-4

Die 1930er Jahre, Seoul, Korea. Das kleine Land leidet unter der japanischen Besatzungsmacht. Japan will zum Weltreich emporsteigen und dringt immer weiter Richtung Westen und Süden vor. Mittendrin: Kora unter japanischer Hand.
In Seoul lebt Sangmi als Kind einer wohlhabenden Familie, sie erhält Bildung und muss nicht hungern. Trotzdem: ihre Mutter entzieht ihr ihre Liebe und vor ihrem Vater fürchtet sie sich. Ihr einziger Halt sind die Eltern ihrer Mutter. Ihre Familie birgt ihr gegenüber ein dunkles Geheimnis.
Als Sangmi an einem Verbrechen beteiligt wird, schickt sie ihr Vater zu armen Verwandten in die Küstenstadt Mokp’o. Dort geht sie nicht mehr zur Schule, sondern kümmert sich um die Kinder der Familie. Sie befindet sich auf dem Weg zum Tempel, um dort nachzudenken und zur Ruhe zu kommen, als sie in die Fänge der japanischen Armee gelangt. Sie ist gerade 14 jahre alt und wird verschleppt. „Im Dienst der japanischen Armee“ soll sie nun arbeiten. Doch Sangmi hat keine Ahnung, was es mit dieser „Arbeit“ auf sich hat. Sie weißt nur: es gibt kein Entrinnen vor der neuen Pflicht. Sie muss einer nicht enden wollenden Reihe von japanischen Soldaten ihren Körper darbieten. Sie sieht viele ihrer neuen Gefährtinnen grausam sterben, ihr werden häufig gerade die genommen, die ihr am meisten Halt gaben. Aber Sangmi hat auch unheimlich viel Glück. Sie schafft es durch die Hilfe eines ehemaligen Englischlehrers aus Seoul (nicht ohne einen gewissen Preis dafür zu zahlen) in gewisser Weise aufzusteigen. Sie wird seine Mätresse und später auch Matrone eines Trosthauses.
Sangmi legt zwischen ihrem 15. und 20. Lebensjahr eine grausame, sehr weite Reise zurück, gefangen in der Tyrannei des aufstrebenden Königreiches. Von Seoul, Mokp’o über Shanghai, Singapur nach Hiroshima, wo für sie am 6. August 1945 die Freiheit beginnt; ein Tag, der Tausenden das Leben gekostet hat.

Juliette Morillots Roman Die roten Orchideen von Shanghai beruht auf einer wahren Geschichte. 1995 trifft die Autorin in Seoul auf eine alte Frau. Die berichtet ihr von einer finsteren, grausamen Vergangenheit und gibt all denen eine Stimme, die heute nicht mehr selbst davon erzählen können.
Dieses Buch ist die Geschichte einer starken und mutigen jungen Frau in einer Zeit, in der eine solche Kraft ift verlorengegangen ist. Nachdem ich die letzten Worte gelesen hatte, war ich schockiert und todtraurig. Diese Frauen waren noch Kinder, als sie unzählige Male vergewaltigt wurden. Sie sollten Männer Trost schenken, die zu Tieren gewordens sind, zu Stein erstarrtes Herz. Männer, die einem heute nur Leid zun können, so wie man Mitleid mit Sangmi bekommt. Nicht Mitgefühl, ich sträube mich sonst vor Mitleid. Aber Mitgefühl ist in diesem Fall wirklich unmöglich; man kann nicht mitfühlen, was Sangmi erleben musste. Aber mit jeder Seite dieses Buches wächst der schwere Klumpen im Herzen des Lesers. Und es hört einfach nicht auf, jahrelang, bis eine Atombombe allem ein Ende macht.
Ich
bin so tief getroffen, weil es wahr ist, was mit diesen jungen Mädchen geschah. Sicher, in dem Krieg sind auch viele andere Menschen unschuldig gestorben, aber diese Vergewaltigungen und Morde an Kindern so nah dargestellt zu bekommen zehrt ungemein an den Nerven.

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