Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse

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Thomas Meyer
Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse
Diogenes Verlag
978-3-257-86242-3
10,90€

„Ein Leben lang hatte ich im glojbn gelebt, nur zwischen weißem Hemd eins, weißem Hemd zwej und weißem Hemd drej wählen zu können, und mir nie darüber gedankn gemacht. Nun machte ich mir welche. Farbige hemdn kamen darin vor. Und Jeans. Und Nichtjüdinnen in Jeans. Eine im Speziellen.“

Motti Wolkebruch ist ein junger orthodoxer Jude aus Zürich. Er hat ein Problem: seine mame will unbedingt, dass ihr Jüngster endlich heiratet. Er ist 25 Jahre alt, alt genug, findet sie. Die Kadidatinnen, die sie ihm vorstellt, sind ihr aber leider alle unheimlich ähnlich.
Vor seinem inneren Auge erscheint jedoch immer wieder das Bild von Laura, einer Kommilitonin von der Universität und sie ist Nichtjüdin, nein, sie ist eine richtige schikse. Laura trägt Jeans, trinkt Alkohol und redet, wie ihr der Mund gewachsen ist. Motti kommt in einen Konflikt mit sich selbst: ist der strenge orthodoxe Glaube und der ihm vorgezeichnete Weg wirklich das, was er selbst vom Leben will?
Er wendet sich immer mehr von seinem Glauben ab und Laura zu und damit der anscheinenden Freiheit.

Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse ist ein auf der einen Seite ein sehr komischer Roman, auf der anderen Seite ein wirklich ernstes Buch über Religion, Religion heute und Freiheit und über den inneren Konflikt, der dadurch entsteht.
Das Besondere an Meyers Roman ist, dass er Mottis Sprache spricht: Jiddisch. Der Text ist mit vielen jiddischen Begriffen durchsetzt, die man aber entweder durch lautes Vorsprechen versteht oder im Glossar im hinteren Teil des Buches nachschlagen kann. Viele Worte sind dem Sächsischen sehr ähnlich, also war es für mich sehr leicht, Motti zu verstehen.
Außerdem ermöglicht dieser Roman einen sehr tiefen Eindruch in das Judentum. Motti lebt in den Tiefen dieser Religion, festgehalten von seiner mame. Als diese ihm aber die vielen möglichen zukünftigen Bräute vorsetzt, kommen Motti Zweifel an seinem Glauben und seinem Schicksal und nimmt langsam aber sicher sein Leben in die eigenen Hände. Das ist ein mutiger Schritt.
Für den leser ist es eine eigentümliche Erfahrung, mit wie viel Unwissen Motti in der normalen Welt umhergeht. Aber es war auch eine sehr lehrreiche und kurzweilige Erfahrung.

ACHTUNG, Wer mehr wissen möchte: Thomas Meyer liest bei uns an der Ausbildbar auf der Buchmesse in Leipzig.

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