Tessa

9783862200467

Tessa
Nicola Karlsson
978-3-86220-046-7
Graf Verlag (Ullsteinbuchverlage)
18,00€

„Der weite Himmel. Sie fühlt sich kelin, unbedeutend. Der Himmel sieht weit weg aus. Die dunklen Vögel formieren sich um. Einer der Vögel kriegt es nicht hin und fällt zurück. Hektisch flattern seine Flügel, aber er bleibt im Abseits.“

Sie ist in den besten Jahren ihres Lebens. Tessa ist seit knapp einem Jahr mit Nick zusammen, sie hat tolle Freundinnen und eine große Community. Früher hat sie mal gemodelt und Fotoshootings für Werbung gemacht. Eigentlich kann sie ein gutes, zufriedenes Leben leben. Doch bei allem, was sie hat und was sie ist – glücklich ist sie nicht. Sie braucht Aufmerksamkeit, will der Mittelpunkt der Welt sein. Jeder muss ihre Gefühle beachten und sie will geliebt werden. Mit ihrer Geltungssucht vergrault sie Freunde un ihre Beziehung zu Nick bricht auseinander, sie braucht mehr Wein.
Tessa mag Wein, am liebsten einen kräftigen Roten. Aber eigentlich ist es egal. Es darf auch Wodka sein. Hauptsache die Kanten in ihrem Leben werden zu runden Ecken und sie kann vergessen.

Schlägt man das Buch auf und beginnt zu lesen, befindet man sich sofort in Tessas Abgrund.
Nicola Karlsson hat klare, fast kalte Worte gewählt, um Tessa und ihre Gefühlswelt zu beschreiben. Schungslos ist man dabei, man kann förmlich den Wein und das Kokain schmecken. Und man kann sich nicht mehr von ihr lösen. Nieman kann und will Tessa helfen, aber der Leser muss bei ihr bleiben, er ist der einzige, an den sie ihre Worte, ihre Hoffnungen, ihren Gram richten kann.
Tessa ist permanent betrunken, sie verbringt Tage ohne ihre Wohnung zu verlassen in einem Zustand des Delirium, fast in Trance.
Dieses Buch zeigt alle Facetten des Abgrundes und die Sucht nach dem Rausch und dem Vergessen ist die Grundlage. Tessa nimmt Drogen und sucht einen Retter, einen Mann, der sie liebt und dem sie alles bedeutet. Sie begeht einen Selbstmordversuch, um Nick zurückzubekommen, sie wird vergewaltigt, aber bekommt es nicht richtig mit, zu. Der Leser muss zusehen.
Wie oft nimmt sie sich die letzte Flasche vor, den letzten Rausch, dann bringt sie ihr Leben wieder in Ordnung. Auch zum Schluss. Das Buch endet mit Tessas Aussicht auf Hoffnung. Aber dem Leser bleibt nur der Gedanke, dass sie letzt nach Hause gehen wird, im Spätkauf noch eine Flasche Wodka kauft und diesen zusammen mit ihrem Antidepressivum kippt.
Währen der Geschichte macht Tessa keine Entwicklung durch. Als der Roman beginnt, ist sie schon mittendrin. Und es wird nicht besser, nur ab und zu schlimmer.

Warum sollte man Tessa trotzdem lesen?
Nicola Karlsson bedient alle Vorurteile über Alkoholiker und noch mehr. Sie macht bekannt, was in solchen Menschen vorgeht, was sie denken und fühlen, auf eine harte aber deutliche Art. Sie suhlen sich in ihrem Selbstmitleid und wollen doch die nächste Flasche – denn dann sieht die Welt viel besser aus.
Ich bin total beeindruckt von diesem Buch. Im positiven Sinne: es ist Wahnsinn, diese Krankheit zu beschreiben, aber Nicola Karlsson malt mit blutrot an eine weiße Wand – in großen Buchstaben. Im Negativen bin ich einfach sehr betroffen über Tessas Leben und über das Gefühl, dass es ein ewiger Kreislauf ist un nie aufhört, bis sie sich ganz zerstört hat.

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2 Gedanken zu “Tessa

    • Haha, du bist sehr lieb, danke für deine Worte!
      Ich kann auch nichts dafür, die Bücher lesen sich so schnell weg und danach muss ich einfach alles loswerden, was ich darüber denke.
      :*

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