Quasikristalle

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Quasikristalle
Eva Menasse
Kiepenheuer & Witsch Verlag
978-3-462-04513-0
19,99€

„Sie war ihm vor die Füße gefallen wie Planetenstaub, und schon war sie ihm lieb und nah, ohne dass er das Ende dieses Zusammenseins gefürchtet hätte. Das beste Leben ist das gegenwärtige; aber meistens kommt einem die Gegenwart blass vor, sodass man fruchtlos und ermüdend an der Vergangenheit und Zukunft herumzupft. Wenn die Gegenwart jedoch aufglüht, dann sollte man sich ihr überlassen.“

Quasikristalle ist die Lebensgeschichte von Roxane Molin. Die Biografie der aus Wien stammenden Protagonistin entsteh aus dreizehn voneinander unabhängigen Kapiteln. Xane wird in fast jeder ihrer Lebensphasen dargestellt – aber sie selbst kommt nur einmal asu eigener Perspektive an die Reihe. Ich Geschichte erzählen andere: ihre beste Schulfreundin, ein ehemaliger Vermieter, ihre Ärztin, ihr Liebhaber.
In den wenigsten Kapiteln spielt Roxane eine direkte Hauptrolle. Die jeweiligen Erzähler berichten auch über sie, aber meistens geht es um ihre eigenen Leben und Roxane ist oft nur eine Randfigur. Die unterschiedlichen Perspektiven sind eine interessante Form eine Geschichte zu erzählen; denn das passiert trotz all den voneinander losgelösten Erzählungen: eine Geschichte, eine Biografie entsteht.

Wenn man am Ende das Buch zuschlägt, bleibt eine große Frage: Wer war Roxane Molin? Daraus ergeben sich wie von selbst weitere: Was weiß ich wirklich von mir selbst? Was weiß ich von anderen? Was ist die Wahrheit? Mir ist nach der Lektüre immer wieder ein Bild aus dem Physikunterricht in den Kopf gekommen. Es ist mit dem Buch ein bisschen wie mit dem Raum-Zeit-Kontinuum. An sich habe ich das ganze aus physikalischer Sicht nie so richtig verstanden, aber ich hae mich schon im Unterricht immer gefragt, welche der Perspektiven die wirklich wahre ist.
Anfangs war ich, ehrlich gesagt, sehr verwirrt, weil ich nach dem ersten Kapitel, erzählt von Xanes bester Schulfreundin Judith, nicht verstanden habe, warum es nicht weiter um Judoth geht. Das zweite Kapitel beginnt aus der Sicht eines jungen Professors, der in Auschwitz Führungen durch das ehemalige konzentrationslager macht. Er berichtet über seine Beziehungprobleme. Als nach zwei Seiten immer noch keine Judith aufgetaucht ist, habe ich schon mit dem Gedanken gespielt, das Buch abzubrechen.
Zum Glück habe ich es nicht gemacht! Denn plötzlich ist den Konzentrtionslager-Professor in seiner neuen Touristengruppe Xane über den Weg gelaufen und ich habe verstanden, dass es Xanes Geschichte ist, nicht Judiths.

Ich habe nach Ende des Buches wirklich viel darüber nachgedacht, wer ich bin, was ich bin und vor allem, wer ich für andere bin, wie die engsten meiner Bekannten und Verwandten mich sehen und was ich von ihnen sehe.
Fazit: Ein sehr anregendes Buch und interessant, vor allem durch die verschiedenen Perspektiven. Es ist Eva Menasse ziemlich gut gelungen, den Leser nach Zweifeln dennoch in den bann zu ziehen und zum Nachdenken anzuregen.

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