Die Kunst, Schluss zu machen

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Anna Stothard
Die Kunst, Schluss zu machen
Diogenes Verlag
978-3-257-30019-2
322 Seiten
14,90€

Eva lebt in ihrer eigenen Welt. Sie ist auf den Flughäfen dieser Welt groß geworden und lebt nun, mit Ende zwanzig, in der Wohnung ihrer verstorbenen Großmutter in London. Als Lektorin arbeitet sie in einem kleinen Londoner Verlag, der erotische Liebesromane herausgibt. Die meiste Zeit verbringt Eva in ihrer Fantasie. Und dann gibt es da noch Luke.

Beziehungen waren für Eva nie von Dauer, länger als ein Jahr hat es bisher nicht gehalten. „In einem Abschied lag so ein großes Potential. Er war viel aufrichtiger, und während man sich voneinander entfernte, verschwanden einfach alle Fehler, die man gemacht, und alles, was man mit dieser Person zusammen geworden war, so dass man neu anfangen und das sein konnte, was man sein wollte.“ Davon ist Eva überzeugt. Wenn sie eine Beziehung eingeht, stellt sie sich zuerst vor, wie das Ende aussehen könnte. Sie malt sich richtige Szenarien aus. Für Eva ist klar: ‚Es wird einem nie gelingen, einen Menschen voll und ganz zu verstehen, bis zu dem Moment in dem man ihn verlässt.‘
Doch bei Luke ist das etwas ganz anderes. Sie sind drei Jahre zusammen, zweimal hat sie versucht ihn zu verlassen. Und zweimal ist sie gescheitert. Denn das erste Mal in ihrem Leben spürt sie Sehnsucht, wenn Luke nicht bei ihr ist.

Luke ist für Eva ein Mensch aus sehr vielen Facetten. Es gibt hellere und dunklere, aber eine glatte Oberfläche der Persönlichkeit Luke ist einfach nicht zu erkennen. Monat für Monat entdeckt sie neue Seiten an ihm. Sie sind grundverschieden. Luke ist ein Ordnungsfreak, er legt sogar Evas Höschen zusammen, die sie einfach überall herumliegen lässt. In ihrer ersten Nacht hat Eva sich ihm ganz und gar geöffnet, Lukes Kindheit ist ihr hingegen ein riesiger Flickenteppich.

Dann taucht Grace auf. Ein Schatten aus Lukes Vergangenheit, den er eigentlich vergessen wollte. Grace mischt sich in Evas Beziehung ein, wo es geht. Egal, ob mit heimlichen Treffen mit Luke oder merkwürdigen Gesprächen mit Eva, sie reibt Evas Misstrauen soweit auf, dass sie Nächte im Büro verbringt und Luke nicht mehr sehen will.
In Lukes Jugend gibt es eine Geschichte, die Eva zutiefst verstört, auf die Grace unaufhaltsam aufmerksam machen will und die Luke einfach nur abschließen wollte…

Ich bin mit einer sehr großen Erwatungshaltung an die Lektüre dieses Buches gegangen,da ich von Pink Hotel sehr begeistert war. Sprachlich und inhaltlich hat mich Anna Stothard wieder überzeugt!

Evas Geschichte ist eigensinnig und ein bisschen poetisch. Der Charakter von Eva ist bis ins Detail ausgereift und Luke ist für den Leser genauso undurchsichtig wie für Eva. Die Orte, an denen die Geschichte handelt sind ganz real und man kann alles nachgehen, falls man einmal in London ist.
Anna Stothard regt natürlich mit ihrer Thematik zum Nachdenken an, aber es ist auf gar keinen Fall ein Appell an die Menschen, allein zu leben, wenn Beziehung scheitern. Im Gegenteil, wenn man die letzte Seite umschlägt ist man erst enttäuscht, dass es nicht weitergeht, aber dann überkommt einen ein Gefühl von Wärme und Verständnis.

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