Happy Birthday, Türke!

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Jakob Arjouni
Happy Birthday, Türke!
978-3-257-21544-1
Diogenes Verlag
169 Seiten
9,90 €

Es beginnt und endet mit einer Flasche Chivas.
Kemal Kayankaya ist deutscher Türke und lebt in Frankfurt. In der Türkei geboren aber in Deutschland aufgewachsen, „aber selbst laut und deutlich verstehe ich diese Sprache nicht.“ Nichtsdestotrotz sieht man ihm seine Abstammung an und wird ihm übel genommen. Er ist Privatermittler, ein schlagfertiger, gescheiter junger Mann, aber immer umgeben von einer gewissen Gleichgültigkeit. Wenn es um Gefühle geht ist er stumpf wie Stein, außer er hat zu viel getrunken und muss sich deswegen übergeben.
Am 10. August 1983 feiert Kemal Kayankaya in seinen Geburtstag. Mit einem halbfremden Nachbarn und einer Flasche Chivas. Viel weiß er davon nicht mehr. Er macht sich auf in sein kleines Büro. Dort bekommt er Besuch von Ilter Hamul, deren Mann erstochen wurde. Die Polizei betreut den Fall, doch Ilter Hamul ist überzeugt, dass es keine Aufklärung geben wird, sie sind doch Türken. Bei der Befragung von Ilters Familie stößt er auf eine gutmütige Mutter, eine heroinabhängige Schwester und auf einen abweisenden Bruder.
Kayankaya macht sich also an die Arbeit. Ahmed Hamul wurde in der Nähe des Bahnhofes ermordet, ein schäbiges Viertel, voll mit Bordellen und Heroinabhängigen. Nach einem Besuch beim Berzirks-Polizeirevier fragt er herum, verwickelt sich in Schlägereien und kommt durch Zufall Ahmed Hamul auf die Spur. Sein Geburtstag endet damit, dass er fast von einem Auto überfahren wird, dass es unübersehbar auf ihn abgesehen hat.
Am zweiten Tag entwickelt sich die Sache recht schnell. Ziemlich bald wird Kayankaya klar, dass der undurchsichtige Kripo-Kommissar mit dem Tod von Ahmed Hamul zu tun hat. Seine Komplizen (auch Polizisten) dringen am Abend in sein Büro ein und versuchen ihm mit Gasbomben, Schlägen und Tritten den Gar auszumachen.
Am dritten Tag löst er den Fall. Die drei Polizisten werden durch eine List und die Mithilfe eines befreundeten pensionierten Kommissars dem Staatsanwalt überführt.
Abends besucht er Ilter Hamul und berichtet vom positiven Ausgang des Falles. Er bittet sie, noch einmal mit ihrem Bruder Yilmaz sprechen zu können. Yilmaz packt, um in die Türkei zu fliegen, denn ihm lastet eine Schuld schwer auf dem Gewissen. Väterliche Vernachlässigung, Rachelust und die Sucht seiner jüngeren Schwester haben Yilmaz Ergün zum Mörder gemacht…

Jakob Arjouni, 1964 geboren und 2013 an Krebs verstorben, schreibt präzise und eindrucksvoll. Sein Protagonist Kayankaya spricht und handelt wie es ihm gerade passt und lässt sich keinesfalls davon einschüchtern, das sämtlich Mitbürger der Stadt etwas gegen ‚Kanaken‘ haben.
Sein Schreibstil ist knackig und voller Witz und Ironie. Erzählt wird aus Kayankayas Sicht. Der Krimi ist ein Buch für alle, auch für Leser, die sonst nicht so gern etwas über Mord und Totschlag lesen. Auch für die, die sowieso nicht gern Lesen, aber natürlich auch für erfahrene Krimi-Fans. Jakob Arjouni zieht den Leser in seinen Bann und lässt ihn erst los, wenn alle 169 Seiten gelesen sind. Und dann fragt man sich kurz und ein bisschen wehmütig, warum jetzt schon wieder alles vorbei ist.

Das Buch!

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